Über Chaos und Struktur.

Selma Prodanovic beim PMI Austria Chapter Forum Event

(Daniel Hendling)

Auch wenn man es sich heute nicht wirklich vorstellen kann, hatte sie ganz früher Angst, vor Menschen zu sprechen. Letztlich hat sie sich aber ein Herz gefasst, und damit angefangen – als sie verstand, selmadass man manches im Leben einfach tun muss, auch wenn es zu Beginn schwer fällt. Das Netzwerk, die Menschen um sie herum haben ihr dabei geholfen.

Herausfordernd war auch ihr Leben: Sie ist ständig umgezogen, war immer wieder Außenseiterin und musste sich mit einer neuen Umgebung, neuen Menschen anfreunden. So lernte sie Flexibilität. Neue Netzwerke aufzubauen. Und als sie sah, dass sie sich eigentlich ganz wohl dabei fühlt, neue Dinge zu schaffen, entschied sie, anderen dabei zu helfen, das gleiche zu tun.

Selma bezeichnet sich selbst als „Business Creator“ – nicht „Business Manager“. In ihrer Rolle, Startups dabei zu helfen, ihre Ideen, nicht zuletzt mit Hilfe von Investoren, zu verwirklichen, geht es nicht um das Steuern eines Regelwerks. Sondern das Begleiten eines Kreativprozesses. Sie fühlt sich wohl dort, wo Chaos herrscht.

Die meisten Menschen, so sagt sie, haben von Natur aus keine Strukturen, nach denen sie denken und arbeiten. Irgendwann schafft man die dann, oder sie werden geschaffen.

(Wir Projektmanager wissen, was es bedeutet, Dinge zu strukturieren, nicht wahr?)

Strukturen können aber auch hemmen. Sie können Innovation verhindern, denn Innovation, so Selma, ist „außerhalb von etwas“. Außerhalb einer festen Struktur. Und daher mit einer solchen überhaupt nicht zu fassen. Wenn man etwas Neues erschafft, geht es um die richtige Balance zwischen Chaos und Struktur. Beziehungsweise das Fingerspitzengefühl, diese beiden scheinbaren Widersprüche zu verbinden.

Wahre Innovation wird oft nicht erkannt, unterschätzt, klein gemacht. Und sie muss von einem selbst ausgehen. Hätte Henry Ford die Menschen gefragt, was sie wollen: Sie hätten „ein schnelleres Pferd“ geantwortet. Auch ist wichtig, „Fremde“ zu fragen. Menschen, an die man gar nicht denken würde – die man eigentlich gar nicht fragen würde. Auf diese Weise kann man Dinge besser verstehen und zu Erkenntnissen gelangen, die man anders gar nicht erreichen könnte.

Auch ein wichtiger Punkt ist, beim Thema „Best Practise“ aufzupassen: Man sollte Lessons Learned nicht zum Anlass nehmen, etwas aus Prinzip genau so zu tun, wie bisher auch. Ein interessanter Gedanke, finde ich.

Selma meinte, eine gute Idee ist wertlos, solange man sie nicht auch implementiert. Warum lassen wir es oft bleiben? Weil wir Angst haben, jemand anderer hätte die Idee vielleicht auch. Oder würde sie uns wegnehmen. Und damit unser eigenes Unterfangen schon bedroht sein, noch bevor wir den ersten Schritt getan haben.

Wobei: Facebook, Google & Co. Derartige Dienste gab es auch schon davor. Aber die Implementierung war hier einfach die Bessere. Und diese Unternehmen haben auch eine andere Form der Planung. Google, so Selma, hat eine 3-Monats sowie 30-Jahre Planung. Und nichts dazwischen.

Ein wichtiger Punkte, der ebenfalls in der Runde teils kontrovers diskutiert wurde: Die Welt dreht sich immer schneller. Also muss man auch schnell sein, wenn man eine Idee umsetzen möchte. Wobei es noch nie so einfach und finanziell machbar war, eine Idee umzusetzen, wie heute.

Für gewisse Irritation sorgten die Fragen rund um das Thema, wie sehr wir „lieben“, was wir tun. Würden wir sogar dafür bezahlen, unseren eigenen Job machen zu „dürfen“? Kaum einer hat da mehr aufgezeigt. Das ist jedoch, was Enterpreneurship ausmacht: Man investiert. Sein Geld, seine Zeit, seine Ressourcen. Sein echtes Kapital im Sinne von Geld. Sein soziales Kapital: Das Netzwerk an Menschen. Und das Human Capital: Skills.

Start Ups sind ein Long Term Investment mit 100% Risiko. Selma meint, wenn man diese Tatsache nicht mag, sollte man gar nicht damit beginnen, ein Startup zu gründen.

Und man muss damit leben, dass es anfangs chaotisch ist – und auch so sein muss. Und zugleich letztlich den Schritt in eine Organisation und Struktur schaffen.

Wenn man ein bisschen länger nachdenkt, über das, was wir bei Selmas Vortrag gehört haben – auch wenn manches durchaus polarisiert hat und kontrovers war – wird einem bewusst, dass wir in Projekten mit einem Startup durchaus einiges gemein haben. Unsicherheit und Risiken. Loses Chaos, zumindest zu Beginn. Die Notwendigkeit, Dinge zu strukturieren – aber eben nicht mit Vorschlaghammer und Wagenheber.

Und einen Prozess zu begleiten, der letztlich etwas Großes erschafft. Nicht wahr?

 

 

 

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